In KĂ€rnten wurden 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 1.039 Delikte mehr zur Anzeige gebracht. Im Zehn-Jahres-Vergleich bleibt die GesamtkriminalitĂ€t damit dennoch weiterhin rĂŒcklĂ€ufig. Die AufklĂ€rungsquote liegt mit 59,3 Prozentpunkten leicht ĂŒber dem Wert des Vorjahres. Die InternetkriminalitĂ€t bleibt weiterhin einer der am stĂ€rksten wachsenden Deliktsbereiche.
GesamtkriminalitÀt
Die Zahl der Anzeigen ist 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozent auf 25.585 Anzeigen angestiegen (2022: 24.546). MaĂgeblich fĂŒr diese Steigerung sind zum einen Anzeigen aus dem Bereich der InternetkriminalitĂ€t wie etwa Krypto-BetrugsfĂ€lle, analoge Deliktsformen (Falscher Polizist, Phishing, etc.) und digitale Deliktsformen (Tochter/Sohn-Trick, Neffentrick, etc.) und zum anderen Anzeigen aus dem Bereich der WirtschaftskriminalitĂ€t (GroĂteil der FĂ€lle sind Betrugsdelikte). Im Zehnjahresvergleich ist jedoch weiterhin eine Tendenz nach un-ten zu erkennen, 2014 wurden 975 Delikte mehr zur Anzeige gebracht. Im vergangenen Jahr wurden 17.991 tatverdĂ€chtige Personen ausgeforscht und angezeigt, das sind um 5,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor und entspricht damit dem höchsten Wert der letzten zehn Jahre. Er-neut gestiegen ist der Anteil der fremden TatverdĂ€chtigen. Waren es 2022 noch 4.725 Frem-de, so wurde 2023 insgesamt 5.332 Fremde verzeichnet, was 29,6 Prozent aller TatverdĂ€chti-gen entspricht.
Die AufklÀrungsquote konnte um 0,3 Prozentpunkte auf 59,3 Prozent erhöht werden (2022: 59).

GewaltkriminalitÀt
2023 wurde ein geringer Anstieg bei Gewaltdelikten verzeichnet, wobei Gewaltdelikte in der PrivatsphĂ€re leicht zurĂŒckgegangen sind. Wurden im Jahr 2022 4.197 Anzeigen erstattet, so waren es im Jahr 2023 um 73 Anzeigen mehr, ein Plus von 1,7 Prozent. 927 Straftaten entfie-len dabei auf den Bereich Gewalt in der PrivatsphĂ€re, was einem RĂŒckgang von 7,9 Prozent in diesem Segment entspricht (2022: 1.007)
Bei 58 Prozent der begangenen Gewaltdelikte gab es eine Beziehung zwischen TĂ€ter und Op-fer (2.774 TĂ€ter-Opfer-Beziehungen). Wie die Jahre zuvor, war auch 2023 das Haupttatmittel die Stichwaffe. Sie wurde bei 112 Delikten verwendet. 2023 wurden vier vollendete Morde erfasst, bei denen zwei mĂ€nnliche (2022: 2) und zwei weibliche Personen (2022: 2) getötet wurden. Im Bereich der RaubkriminalitĂ€t gab es eine Zunahme: Im Berichtsjahr wurden 58 Straftaten angezeigt, ein Plus von 20,8 Prozent zum Vorjahr mit 48 Anzeigen. Der sog. âStra-Ăenraubâ als BeschaffungskriminalitĂ€t vorwiegend aus dem Suchtgiftmilieu steht hier im Vor-dergrund.

EigentumskriminalitÀt
Dem österreichweiten Trend entsprechend, jedoch in geringerem AusmaĂ, stiegen die Anzei-gen im Bereich der EigentumskriminalitĂ€t. Wurden 2022 insgesamt 5.987 Straftaten ange-zeigt, waren es im Vorjahr 6.185 (Plus 3,3 Prozent). Bei den EinbruchsdiebstĂ€hlen selbst gibt es allerdings einen leichten RĂŒckgang von 1,5 Prozent (2023: 1.949, 2.022: 1.978). Im Jahr 2014 wurden noch 3.912 EinbruchsdiebstĂ€hle verzeichnet.
Die hÀufigsten Tatörtlichkeiten bei EinbruchsdiebstÀhlen (Anm.: ED-Versuche werden hier mitgezÀhlt) stellten öffentliche Orte sowie WohnhÀuser und Kellerabteile dar.
WĂ€hrend es 2022 noch 256 EinbruchsdiebstĂ€hle in WohnrĂ€ume gegeben hat, stiegen diese 2023 um 23,8 % auf 317 an. EinbrĂŒche in Wohnungen sind hier mit einem Minus von 15,4 % (2023: 99, 2022: 117) zum Vorjahr rĂŒcklĂ€ufig, wĂ€hrend bei EinbrĂŒchen in WohnhĂ€user eine Steigerung von 56,8 % (2023: 218, 2022: 139) zu verzeichnen ist.
Es wurden 2023 insgesamt 145 Einbruchsversuche in Wohnungen und WohnhĂ€user (2022: 134 Versuche) verzeichnet, was â auch angesichts der Spurenlage an zahlreichen Tatorten â auf das Vorhandensein von geeigneten Sicherungseinrichtungen und damit nicht zuletzt auf die Wirkung der PrĂ€ventionsarbeit schlieĂen lĂ€sst.
Verglichen mit den Jahren vor der Pandemie ist in diesem Deliktsbereich nach wie vor eine deutliche Tendenz nach unten erkennbar. Zudem wurde hier mit 31,8 % die höchste AufklÀ-rungsquote der letzten 10 Jahre registriert.

SuchtmittelkriminalitÀt
2023 wurden 2.327 Delikte nach dem Suchtmittelgesetz zur Anzeige gebracht, ein RĂŒckgang von 3,7 Prozent, im Vergleich zu den im Jahr 2022 erstatteten 2.416 Anzeigen.
Das Bundesland KĂ€rnten ist aufgrund seiner geografischen Lage ein Seitenstrang der Balkan-route und dient daher als Transit- und Endabnehmerland fĂŒr Drogen, die ĂŒber Slowenien nach KĂ€rnten eingefĂŒhrt werden. Dabei kann vor allem der Schmuggel von Heroin und Kokain, so-wie im geringen MaĂe Cannabisprodukte, festgestellt werden. Die eingefĂŒhrten Drogen ge-langen sowohl in den StĂ€dten als auch in den Bezirken an Endabnehmer und Subdealer zur Verbreitung. Bei den Schmuggelfahrten werden sĂ€mtliche GrenzĂŒbergĂ€nge genutzt. Die Suchtgiftmengen, die geschmuggelt werden, variieren von Kleinmengen (je nach Drogenart unterschiedlich) bis hin zu GroĂmengen (Kilobereich und mehr).
Entgegen der Entwicklung der letzten Jahre konnten 2023 weniger Suchtgiftbestellungen via Darknet festgestellt werden. Eine Mischung diverser Suchtmittel mit Drogenersatzstoffen liegt hier weiterhin im Trend.

InternetkriminalitÀt
Die Anzeigen im Bereich der InternetkriminalitÀt stiegen 2023 erneut an. Wurden im Jahr 2022 noch 2.672 Anzeigen verzeichnet, so waren es 2023 bereits 3.212, ein Plus von 20,2 Pro-zent. Eine deutliche Steigerung wurde hier vor allem beim Internetbetrug verzeichnet. Nach 355 Anzeigen im Jahr 2014, wurden 2022 schon 1.474 Delikte angezeigt. 2023 bearbeitete die KÀrntner Polizei 1.892 InternetbetrugsfÀlle, eine Zunahme zum Vorjahr von 28,4 Prozent.
PhÀnomene und Entwicklungen im Bereich der InternetkriminalitÀt
Krypto-BetrugsfÀlle
Zu den aktuell gröĂten Wachstumsbereichen in KĂ€rnten gehört der Bereich des Online-Anlagebetruges mittels KryptowĂ€hrungen. In den meisten FĂ€llen werden von den TĂ€tern On-lineportale eröffnet, welche enorme Gewinne durch eine positive Entwicklung bei KryptowĂ€h-rungen versprechen. Die sich tĂ€glich verĂ€ndernden Kursgewinne sind dabei jedoch erfunden und die Webseiten manipuliert. Die steigende Entwicklung entsteht dabei jedoch weniger durch die Menge der Einzelakten â sondern vielmehr durch die Menge der Opferzahlen pro Akt, da Plattformen oft intensiv Werbung auch in der Ăffentlichkeit betreiben. DiesbezĂŒglich ist im LKA KĂ€rnten bereits seit mehreren Jahren ein GroĂverfahren in Bearbeitung, welches mittlerweile ĂŒber 100.000 Opfer weltweit und weit ĂŒber 100 Millionen Euro an Schaden ver-ursacht hat.
Ransomware
Erpressungssoftware ist bereits seit vielen Jahren fix in den Statistiken zu finden und sind so gut wie nur mehr Unternehmen und Organisationen davon betroffen. AuffÀllig ist dabei, dass die meisten Unternehmen nach wie vor keine Backups von ihren Daten machen und keine
Schulung der Mitarbeiter: innen durchfĂŒhren, was letztendlich dann auch oft den Schaden mitbedingt hat. Auch im Ransomwarebereich gibt es stets groĂe Schadenssummen von oft mehreren hunderttausend Euro, welche teilweise durch die Bezahlung von Erpressergeld von den Firmen geleistet werden, nur um den Betrieb wieder aufnehmen zu können.

WirtschaftskriminalitÀt
Dem österreichischen Trend entsprechend stieg die Zahl der verzeichneten Delikte im Bereich der WirtschaftskriminalitĂ€t von 3.911 im Jahr 2022 auf 4.851 im Jahr 2023 (Plus 24 Prozent). Die Anzeigen nach Trickbetrug stiegen um 22,5 Prozent von 151 im Jahr 2022 auf 185 im Jahr 2023. Die Wirtschaftsdelikte im engeren Sinne, wie etwa § 153 StGB Untreue, § 153c StGB Vorenthalten von DienstnehmerbeitrĂ€gen zur Sozialversicherung, § 156 StGB BetrĂŒgerische Krida etc., sind von 53 auf 79 Anzeigen im Jahr 2023 angestiegen.

Verkehr
Insgesamt 30 Menschen verloren im Jahr 2023 auf KĂ€rntens StraĂen ihr Leben. Im Jahr 2022 wurden 21 TodesfĂ€lle nach VerkehrsunfĂ€llen verzeichnet. Somit sind gegenĂŒber dem Vorjahr neun Verkehrstote mehr zu beklagen. Zu erwĂ€hnen ist hier, dass fĂŒnf Menschen bei UnfĂ€llen auf unbefestigten ForststraĂen zu Tode kamen.
Auch im Jahr 2023 legte die Landesverkehrsabteilung einen Schwerpunkt auf âDrogen im StraĂenverkehrâ. DiesbezĂŒglich mussten 246 Fahrzeuglenker zur Anzeige gebracht werden, was einer Steigerung um 47 Delikte im Vergleich zu 2022 entspricht (2022: 199).
Der hohe Kontrolldruck auf KĂ€rntens StraĂen, unterstĂŒtzt durch den verstĂ€rkten Einsatz von Zivil-, Motorrad- und Radarstreifen, fĂŒhrte bei Delikten im Zusammenhang mit Geschwindigkeit und Gurtenpflicht zu einer neuerlichen Steigerung der Anzeigen. Die Anzeigen wegen der Nichteinhaltung des Sicherheitsabstandes im StraĂenverkehr haben sich im Vergleich zu 2022 mehr als verdreifacht. Gleichzeitig haben die Kontrollen bei âAlkohol im StraĂenverkehrâ eine prĂ€ventive Wirkung gezeigt â hier gab es eine deutliche Abnahme der Deliktszahlen.
- 594.274 GeschwindigkeitsĂŒbertretungen, eine Zunahme von 20.072 gegenĂŒber 2022 (574.202).
- 6.233 Ăbertretungen der Gurtenpflicht ergibt gegenĂŒber 2022 (4.995) eine Steige-rung um 1.238.
- 3.699 Anzeigen wegen Nichteinhaltung des Sicherheitsabstandes. Das entspricht einer Zunahme von 2.607 Anzeigen im Vergleich zu 2022 (1.092)
- 3.150 Anzeigen wegen Alkoholisierung im StraĂenverkehr bedeuten eine Abnahme von 162 Delikten im Zusammenhang mit Alkoholisierung im Vergleich zu 2022 (3.312).
- 8.163 Ăbertretungen wegen Telefonierens am Steuer bedeuten 56 Delikte weniger als 2022 (8.219).
Personal
Mit 31. Dezember 2023 hatte die Landespolizeidirektion KĂ€rnten einen Gesamtpersonalstand von 2.370 Bediensteten (675 weibl.). Davon standen 2.161 (523 weibl.) Bedienstete im Exeku-tivdienst.
Informativ dazu der aktuelle Personalstand mit 1. MĂ€rz 2024: gesamt 2.466 (699 weibl.), da-von 2.212 Exekutivbedienstete (544 davon weiblich)
Ausbildung
Derzeit werden in den Bildungszentren KĂ€rnten, Wels und Traiskirchen in zehn Grundausbil-dungslehrgĂ€ngen 272 PolizeischĂŒlerinnen und -schĂŒler ausgebildet. FĂŒr das heurige Jahr sind bis dato jedenfalls drei weitere Grundausbildungskurse mit 84 AusbildungsplĂ€tzen in Vorbe-reitung. Vier Kurse mit insgesamt rund 110 Bediensteten mustern noch im heurigen Jahr aus und unterstĂŒtzen dann die Kolleginnen und Kollegen im exekutiven AuĂendienst.


